Praxistest: Sony Alpha (ILCE) 7II + Sony FE 24-70mm F4 Vario-Tessar T* ZA OSS (SEL-2470Z)

Praxistest: Sony Alpha (ILCE) 7II + Sony FE 24-70mm F4 Vario-Tessar T* ZA OSS (SEL-2470Z)

Für das E-Mount System hat Sony mit der Alpha 7 II die vierte Vollformatkamera (Sensorformat 24x36mm) vorgestellt. Als erste ihrer Serie verfügt sie über einen 5 Achsen Bildstabilisator, der laut Sony Angabe bis zu 4.5 Verschlusszeitenstufen ausgleichen soll. Das ca. 600 Gramm leichte, aus Magnesiumlegierung gefertigte Gehäuse ist etwas größer und schwerer als beim Vorgänger Alpha 7 geworden. Der Einbau des Bildstabilisators erfordete wohl mehr Platz im Gehäuse. Dies ist für die Ergonomie der Kamera eher positiv. So liegt sie mit der neu gestalteten Gehäuseform und dem mehr nach vorne gezogenen Handgriff doch etwas sicherer in der Hand als die Alpha 7. Durch den neuen Handgriff konnte der Auslöser weiter nach vorne gezogen werden und dahinter ist nun Platz für eine weitere Customtaste. Hat man die Kamera in der Hand liegt der Zeigefinger perfekt auf dem Auslöser und auch die beiden Customtasten lassen sich gut erreichen.

Insgesamt verfügt die Sony Alpha 7 II über 3 Custom-Schnellwahltasten, die sich mit individuellen Funktionen belegen lassen. Über 2 Einstellräder an Vorder- und Rückseite lassen sich Verschlusszeit/Blende oder andere Parameter einstellen. Gleich zur Alpha 7 ist das Einstellrad für die Belichtungskorrektur geblieben. Auf der Rückseite des Gehäuses befinden sich Einstelltasten für Kameraparameter und Wiedergabefunktionen. Über die praktische FN-Taste lassen sich sehr viele Funktionen direkt anwählen und individuell anpassen. Der Anwender kann die Kamera nach seinen bevorzugten Kameraeinstellungen einrichten. Das rückseitige 3" (7,5cm) Kameradisplay lässt sich 107 Grad nach oben und 41 Grad nach unten neigen. Es verfügt nun auch über weiße Subpixel, die für eine bessere Leuchtkraft sorgen. Gerade bei Tageslicht oder Fotografie mit einem hellen Umgebungslicht ist das Display deutlich besser geworden. Der elektronische Sucher verfügt über eine neue weichere Augenmuschel. Der farbechte 100% Sucher besitzt eine 0,5x Vergrösserung und einen Dioptrienausgleich -4 bis +3. Gegenüber einem D-SLR Sucher werden viele für die Fotografie wichtige Parameter im Sucher angezeigt.

Neben einer Wasserwaage für die Bildgestaltung oder eines Live-Histogramms lässt sich auch sofort der Weißabgleich angleichen und beurteilen. Der 5-Achsen Bildstabilsator im Gehäuse ermöglicht eine Bildstabilierung mit jedem Objektiv. Sowohl Sony Optiken, als auch Fremdobjektive vieler Hersteller lassen sich direkt oder über Adapter nutzen und somit mit Bildstabilisator benutzen. Gerade diese Möglichkeit macht die Alpha 7 II interessant für eine Vielzahl älterer Objektive. Seitens Metabones, Voigtländer oder anderer Adapterhersteller lassen sich Objektive z.B. von Canon, Nikon oder auch Leica verwenden. Ich habe auf der Kamera ein Voigtländer 2.8/40mm und 1,5/50mm mit Leica M Anschluss über Metabonesadapter verwendet. Ein Praxistest zu diesen Kombinationen folgt später. Werden Objektive ohne elektronische Übertragungselemente verwendet, benötigt die Kamera Angaben über die Brennweite. Hier lassen sich im Menü der Kamera Brennweiten zwischen 8mm-1000mm einstellen.

 

Das Hybrid AF-System der Alpha 7 II verfügt über 117 Phasen-AF und 25 Kontrast-AF Fokuspunkte. Das AF-System lässt sich über Zoneneinstellung, Zentraler Einstellung oder Sport-AF sehr individuell einstellen. Gegenüber der Alpha 7 wurde der AF um ca. 30% beschleunigt. Der AF arbeitete in der AF-S Einstellung bei statischen Motiven zügig und genau, egal in welcher Einstellung das AF-System genutzt wurde. Für Actionfotografie im AF-C Modus mit Serienbildfunktion (5 Bilder/sec.) habe ich das eine oder andere fehlfokkusierte Bild festgestellt. Actionfotos habe ich vor alllem mit dem Sony FE 70-200 mm F4.0 G OSS  fotografiert. Auch mit diesem Objektiv folgt noch ein Praxistest. Im Bereich der schnellen Scharfeinstellung und Motivverfolgung ist noch eine bessere Leistungsperformance wünschenswert.

 

 

Der 24 Megapixelsensor liefert eine sehr hohe Bildqualität. Sowohl JPEG Bilder als auch in der RAW Verarbeitung sind Helligkeits- und Farbrauschen bis ISO1600 praktisch nicht sichtbar. Bei höheren ISO-Werten greift die Rauschunterdrückung nicht sehr stark ein und Details werden besser dargestellt. Allerdings wird eben das Rauschen stärker gezeigt. Bis ISO6400 lässt sich die Alpha 7 II praxisgerecht verwenden. Bei noch höheren ISO-Werten empfiehlt es sich also eher die RAW-Engine zu verwenden, um die Bilder zu entrauschen. Der Dynamikumfang liegt je nach ISO-Stufe zwischen 10-12 EV-Werten. In Licht und Schattenbereichen bleiben viele Details sichtbar. Die Farb- und Kontrastwiedergabe ist in der Standardeinstellung recht kraftig und knackig. Über die FN-Funktion "Kreativ" lassen sich die JPEG-Bilder individuell in Farbe-, Kontrast und Farbsättigung anpassen. Hier besteht natürlich immer die Möglichkeit über die RAW-Fotografie und diese Anpassungen später in der Bildbearbeitungssoftware vorzunehmen.

 

 

Für den Videobetrieb sind gegenüber der Alpha 7 deutliche Verbesserungen festzustellen. Verwendet wird nun auch das Sony XAVCs-Format, welches Full-HD Video (1920x1080) mit sehr hohen Bitraten (50mbit/s) ermöglicht. Die aus den Sony Profivideokameras bekannten Bildprofile für individuelle Filmlooks, wie das Profil Slog2, lassen eine Anpassung des Farbraums zu. Eine ideale Lösung, wenn die Alpha 7 II als Close-UP Zweitkamera für Freistellung verwendet werden soll. Das Farbprofil kann zum verwendeten Camcorder gleich angepasst werden. Das Autofocussystem arbeitet im Videobetrieb erstaunlich schnell und präzise. Aufgrund des großen Sensors und der daraus eher geringeren Tiefenschärfe gegenüber den meisten Camcordern, sollte der Anwender hier sehr sorgfältig scharfstellen. Das eingebaute Mikrofon hat eine solide Klanqualität. Allerdings ist der AF-Betrieb des Objektives auf den Videos hörbar. Dies lässt sich mit einem internen Mikro allerdings auch nicht vermeiden. Möchten Sie eine höhere Qualität, nutzen Sie doch besser ein Zusatzmikro wie das Bora MIC-1.

Verwendet habe ich mit der Alpha 7 II das Sony FE 24-70mm F4 Vario-Tessar T* ZA OSS (SEL-2470Z). Das Objektiv bietet einen guten Kompromiss aus Abbildungsleistung, Lichtstärke und Zoombereich. Die Bedienung der Optik ist vorbildlich. Zoom-, und Scharfeinstellring laufen weich und mit genau dem richtigen Widerstand. Auch bei manueller Scharfeinstellung bietet der Scharfeinstellring genügend Widerstand. Die Alpha 7 II besitzt für manuelle Scharfeinstellung eine Fokuslupe und Fokuspeaking. Daher ist das Fokussieren auch mit manuellen Objektiven kein Problem. Die Verarbeitung ist sehr hochwertig. Dies erwartet man auch von einer Optik mit Zeiss-Logo. Das 24-70mm verzeichnet in allen Brennweitenbereich leicht. Die interne Verzeichungskorrektur der Alpha 7 II rechnet diese Fehler aber direkt raus. Bei Offenblende ist die Schärfe zur Bildmitte schon sehr hoch. Für Motive mit Freistellungspotenzial (Portrait-, Makro-, Reportagemotive) sind die Ergebnisse schon super. Für den Bereich Landschaft-, und Architekturfotografie sollte die Optik um 1-2 Stufen abgeblendet werden. Dann sind die Ergebnisse bis in die Ecken scharf.

 

Fazit:
Die Alpha 7 II + Sony FE 24-70mm F4 Vario-Tessar ist eine ideale Kombination für Fotografen, die eine leichte, kompakte Ausrüstung mit absoluter Profibildqualität suchen. Im Bereich Landschaft-, Portrait-, Makro-, oder auch Reisefotografie ist es eine Spitzenkombination. Für den Bereich Action,- und Sportfotos gibt es schnellere und bessere Lösungen, wie die Canon EOS 5D Mark III oder Nikon D750. Eine vergleichbare Canon oder Nikon Ausrüstung mit ähnlicher Optik ist allerdings auch deutlich teurer und schwerer.

 

Folgende Produkte wurden verwendet:

Sony Alpha 7 II Gehäuse 24,3 MP

Sony Alpha 7 II + FE 24-70mm OSS

Sony Zeiss FE 24-70mm 1:4 Vario-Tessar T* ZA OSS (SEL-2470Z)

Sony FE 70-200mm 1:4,0 G OSS (SEL-70200G)

Voigtländer Heliar 2,8/40mm VM

Voigtländer Nokton 1.5/50mm schwarz Leica M Asph.

Bora Mic-1 Stereomikrofon für Sony

Metabones Adapter Leica M an Sony E-Mount