Praxistest: Nikon D750 + Nikkor AF-S 28-300mm 3.5-5.6 G ED VR

Praxistest: Nikon D750 + Nikkor AF-S 28-300mm 3.5-5.6 G ED VR

Mit der D750 hat Nikon die Lücke im Kameraprogramm zwischen der D810 und D610 intelligent erweitert. Ähnelt die D750 in der Gehäuseform eher der D610, so hat sie von der technischen Ausstattung auch viele Funktionen der D810 übernommen. Trotz der äußerlichen Ähnlichkeit zur D610 ist die D750 eine Neuentwicklung. Das neue entwickelte Monocoque-Gehäuse besteht aus einem Kunststoff-Magnesium-Mix, welches mehr Platz im Inneren der D750 schafft. Die Gehäusetiefe ist gegenüber der D610 verringert worden. Dafür ist der Handgriff weiter nach vorne gezogen worden. Dies kommt der Ergonomie zu Gute. Die D750 liegt einfach prima in der Hand. Als erste Kamera aus dem FX-Vollformatsystem hat die Nikon D750 einen ausklappbaren Monitor, der sich ca. 90° nach oben und ca. 75° nach unten verschwenken lässt. Der große 3.2" (8cm) RGBW-Monitor reagiert sehr streulichtarm und lässt sich auch bei starker Verschwenkung noch gut erkennen. Der optische Sucher bietet eine Vergrößerung von 0,7x und 100% Bildfeldabdeckung. Die neue Einstellscheibe und Spiegelvergütung sorgen für ein sehr helles Sucherbild und es macht Spaß durch den sehr großen und hellen Sucher der D750 zu blicken.

Nutzer der Nikon D7000/D7100 oder auch D600/D610 finden bei den Bedienelementen viele Funktionen sofort wieder. Auf der linken Seite sitzt das Programmwählrad. Darunter der Ring für Einzel-, Serien-, Selbstauslöser und Spiegelvorauslösung. Die Hauptfunktionstasten auf der Rückseite befinden sich links vom Display, während auf der rechten Seite vom Display die Live-View-Taste und Steuerungskreuzwippe sitzen. Auf der rechten Oberseite hat Nikon ein großes Statusdisplay eingebaut. Hier sind viele Funktionen direkt einstell- und Daten ablesbar.

 

 

Das Programmeinstellrad verrät, dass die D750 sowohl für Amateure mit gehobenen Ansprüchen an die Bildqualität, als auch für Semi-Profis konzipiert wurde. Neben den P/S/A/M Einstellungen verfügt die D750 über 16 Szene-Einstellungen und 7 Effektmenüs. Je nach gewählter Szeneeinstellung nimmt die Kamera die Einstellungen vollautomatisch vor und der eingebaute Blitz wird je nach Motivwahl vollautomatisch angesprochen, so dass selbst Einsteiger mit der D750 sofort loslegen können. Nutzt der Anwender die D750 eher im manuellen Betrieb mit Zeit- / Blendenvorwahl, ist ein erhebliches Feintuning vieler Einstellungen möglich. Je nachdem, welche Motivsituation vorliegt, kann der User die D750 auf seine Bedürfnisse perfekt einstellen.

 

 

Das schon bekannte AF-Modul CAM3500 aus der Nikon D810 ist bei der D750 in der Version II eingebaut worden. Es verfügt über 51 Messfelder mit 15 Kreuzsensoren. Die Autofocusmessfelder lassen sich sehr individuell einstellen. Egal, ob Einzelfeld oder in Gruppen - praktisch bleibt kein Wunsch offen. Da ich bei Sportmotiven eher Wert auf korrekte scharfe Bilder lege, nutze ich menüseitig eher Fokuspriorität statt Auslösepriorität. Erstaunlich war hier, wie sicher das AF-System arbeitet. Auch bei schnellen Motiven reagiert die D750 im AF-C Modus unglaublich sicher und rund 80% der Bilder waren perfekt. Mit 6,5 Bilder pro Sekunde ist die Serienbildgeschwindigkeit auch schnell genug für viele Motive. Mit rund 50 Bilder im JPEG-Modus oder 12 Bilder im RAW-Modus ist der Pufferspeicher der D750 allerdings nicht sehr groß, so dass der Fotograf zwischen den einzelnen Serien schon mal Pause machen muss, damit die Kamera die Daten auf die Speicherkarte schreiben kann. In der Available-Light Fotografie unter Schlechtlicht überzeugte das AF-System ebenfalls mit schneller und genauer Fokusssierung. Wie erwartet, geht die D750 im Live-View Modus über den Monitor deutlich langsamer zu Werke. Der AF benötigt schon mal ca. 1 Sekunde zum Scharfstellen. Macht der Betrieb mit dem schwenkbaren Monitor bei schnellen Motiven und Live-View Betrieb also nicht viel Freude, so ist er für Landschafts-, Makro- oder Architekturfotografie durch die variable Arbeitshöhe und möglichen Perspektivwechsel eine Freude.

 

 

Richtig Spaß macht der schwenkbare Live-View Monitor im Videobetrieb, denn endlich kann man eine Nikon auch mit einer Steadycam wie dem Dörr Slider ohne externen Monitor nutzen. Die D750 filmt maximal in Full-HD (1080P) mit 60 Bildern/s. Neu ist in der D750 der Blendenmotor für Videobetrieb, welcher das Öffnen und Schließen der Blende während des Filmens ermöglicht. Die D750 besitzt im Videobetrieb einen Nachführ-AF, der allerdings ähnlich wie im Live-View nicht extrem schnell ist. Der Ton kann manuell ausgesteuert werden. Zu empfehlen wäre hier ein externes Mikro wie das MIC-1 am Mikrofoneingang der D750 anzuschließen. Kontrollieren kann man den Ton über den Kopfhörerausgang. Das Videosignal kann direkt per HDMI an einen Recorder wie dem Atomos Shogun übertragen werden.

Wie schon bei den Vorgängermodellen hat die D750 einige Bildbearbeitungsmöglichkeiten direkt über das Systemmenü. Unter anderem lassen sich RAW-Bilder entwicklen, beschneiden, Verzeichnung entfernen und dann per Wlan direkt versenden. Bezüglich WIFI (WLan) ist die D750 die erste Nikon FX-Vollformat mit einem eingebauten WIFI-Modul. So kann der Anwender die Kamera direkt ohne Zusatzgeräte über die Nikon APP "Wireless Mobile Utility" mit einem Tablet oder dem Handy verbinden. Bilder können an das Tablet übertragen werden, aber auch die Kamera ferngesteuert werden.

Wie erwartet liefert der Sensor der Kamera eine Super-Performance bei niedrigen ISO-Werten zwischen ISO100-400 ab. Sehr zufrieden war ich auch bei High-ISO Ergebnissen bis ISO6400. Darüber ist das Farb und Helligkeitsrauschen für meinen Geschmack zu hoch. Überragend ist der Dynamikumfang der D750, welchen ich bei noch keiner Vollformat-DSLR so feststellen konnte. Weder die Nikon D810 noch meine Canon EOS 5D Mark III kann eine solche Detailzeichnung in Licht und Schatten im RAW-Format zeigen. Entscheidend macht sich dieser Umstand bemerkbar, wenn ich in der Photoshop-Bridge die Schatten aufhellen muss. Hier bietet die D750 einfach mehr Reserven. Anwender, die sich eine noch höhere Dynamik wünschen, werden an der internen HDR-Funktion der D750 ihre Freude haben.

 

 

Die Bildqualität des 24 Megapixelsensors der D750 habe ich mit dem Nikkor AF-S 28-300mm 3.5-5.6 G ED VR getestet. Ich wollte statt Festbrennweiten oder hochlichtstarke Zooms ein Reisezoom auf Vollformat probieren. Mit rund 800 Gramm ist das Objektiv kein Leichtgewicht, passt aber prima zur Gehäuseform der D750 und die Kombination liegt gut und sicher in der Hand. Geliefert wird das 28-30mm G ED VR mit Gegenlichtblende und Schutzbeutel. Am Objektiv sind verschiedene Schalter für AF/MF Umschaltung und die Zu- und Abschaltung des VR-Bildstabilisators. Zusätzlich besitzt das Objektiv noch einen Schalter normal/active, mit dem die Art der Bildstabilisierung umgeschaltet werden kann. Die Normaleinstellung ist gut geeignet für beabsichtigte Schwenkbewegungen (Panning) und die Active-Version für Vibrationen aller Art, die eher unkontrolliert erfolgen. Die Scharfeinstellgeschwindigkeit des 28-300mm G ED VR ist ausreichend schnell und arbeitet leise und genau. Es gab wenige bis keine Bilder, die fehlfokussiert wurden. Die Schärfe ist über alle Brennweiten bis zum Bildrand gleich gut.

Das 28-300mm G ED VR erreicht nicht die Schärfenwerte eines hochpreisigen Festobjektives, aber es erfüllt gehobene Ansprüche. Bei der Kontrastleistung kann das 28-300mm G ED VR Punkte sammeln. Es neigt weder zu weichen Konturen, noch fressen helle Flächen schnell aus. Chromatische Aberrationen hat das Objektiv kaum und ich konnte diese in meinen Aufnahmen wenig bis gar nicht festellen. Verzeichnung zeigt das Objektiv stärker bei 28mm und im Endbereich um 300mm. Bei einem Objektiv dieser Brennweite ist dieser Umstand eher normal. Ein Klick im RAW-Konverter entfernet die Verzeichnung aus den Bildern. Vignettierungen sind im unteren Brennweitenbereich bei offener Blende ebenfalls vorhanden, wenn auch kaum sichtbar. Hier sollte der Fotograf bei Bedarf um 1-2 Stufen abblenden. Wie schon beschrieben, kann man von einem Superzoom keine Festobjektivleistung erwarten. Ich habe die Optik einen Tag mit dem Tamron 28-300mm VC verglichen und würde hier ganz klar zum Nikon raten. Das Tamron war mir persönlich in Schärfe und Kontrastleistung nicht ausreichend.

 

 

Fazit:
Die Nikon D750 ist sowohl für Einsteiger, als auch für gehobene Ansprüche die richtige Kamera. Das klappbare Display und viele weitere Merkmale sind überzeugende Argumente und die Bildqualität des 24 Megapixelsensors auf einem sehr hohen Niveau. Für einen Straßenpreis aktuell um die 1900 Euro erhält man eine sehr überzeugende FX-Vollformatkamera. Das Nikkor AF-S 28-300mm 3.5-5.6 VR G ED ist die richtige Wahl für Anwender, die ein Reisezoom suchen. Für das FX-Vollformatsystem gibt es aktuell keine bessere Lösung.

 

Folgende Produkte wurden verwendet:

NIkon D750 Gehäuse

Nikon D750 + Nikon AF-S NIKKOR 28-300mm 1:3,5-5,6 G ED VR

Nikon AF-S NIKKOR 28-300mm 1:3,5-5,6 G ED VR

Bora MIc-1 Mikkrofon

Atomos Shogun Recorder

Dörr Slider VS-300 Alu Kameragriff

Multiblitz Compact Plus MKII 200 Ws Location Kit

Bora Pro Stativ WF531B + Kugelkopf